Erntetagebuch 2007

29. September 2007

Langsam werden die Wolken dicker und dichter. Noch aber ist es trocken. Eine gewisse Hektik kommt in der Region auf. Alles, was zumindest halbwegs reif ist, wird aus Furcht vor dem großen Regen gelesen, die Traubenvollernter fahren nun auch am Tag. Wir haben heute die Verdejo-Ernte abgeschlossen, zumindest für den Moment. Natürlich hängt der potentielle Eiswein noch. Ansonsten war es eine sehr gute Ernte. Dank der relativ moderaten Temperaturen ist der Zuckerunterschied stabil über die gesamte Lese, anders als im vergangenen Jahr, als es fast eineinhalb Grad Unterschied gab. Ein wenig Viura hängt noch - der wird morgen gelesen. Und dann ist wahrscheinlich erst einmal Pause. Denn die noch hängenden blauen Trauben brauchen noch etwa eine Woche, nur mäßigen Regen vorausgesetzt.

28. September 2007

Während halb Ribera del Duero über teilweise horrende Frostschäden klagt, herrscht bei uns noch immer bestes Lesewetter. Was aber nichts mit den geernteten Mengen zu tun hat. Heute hat der Consejo eine aktualisierte Statistik vorgelegt, die besagt, dass bislang lediglich 12 Millionen Kilo Verdejo gelesen sind. Und das instabile Wetter droht bedenklich. Letztes Jahr waren es gut 28 Millionen und eineige Neuanlagen sind dieses Jahr hinzugekommen, so dass bei dem Schnitt der letzten drei Jahre eigentlich die 30 Millionen geknackt werden müssten -  aber Fehlanzeige. In den Supermärkten wird es weniger Rueda geben dieses Jahr. Ganz besonders spannend ist es bei dem Rotwein. Da stehen bislang gerade einmal 25.000 Kilo zu Buche, etwa die Hälfte ist von uns. Letztes Jahr gab es 4 Millionen Kilo Tinta Fina. Wir haben heute die letzte Fuhre Drahtrahmenverdejo eingefahren. Die Bodegas, die sich ihren Verdejo von uns keltern lassen, dürfen sich freuen. Sie werden auch 2007 guten Wein bekommen. Die Handlese für unseren Verdejo wird noch einen Tag andauern. Heute wurde eine weitere Parzelle gelesen. Fehlen noch zwei.

27. September 2007

Das Ende der Lese naht. Wenn das Wetter hält, werden wir am Sonntag mit dem Verdejo fertig. Erneut haben wir zwei Schichten eingefahren. Ein großer Brocken, die 4.000 Stöcke Almenderas, hat die Maschine diese Nacht erfolgreich zuende gebracht. Drohende Frostnächte und Regentage motivieren das Team, zügig zu arbeiten. Vor allem deswegen, weil sie keine Lust haben, nach dem Regen nochmal anzurücken und durch feuchtes Geläuf zu waten. Außerdem sind die Tagestemperaturen angenehm. Wir kommen gut voran.

26. September 2007

Der erste Tag mit null Grad zum Sonnenaufgang. Frostschäden gab es allerdings keine. Der Tag selbst bringt herrliches Herbstwetter, teifblauer Himmel, Sonne von Morgens bis Abends. Beim Leseteam machen sich die ersten Ermüdugnserscheinungen breit. Zwei Erntehelfer mussten wir schon ersetzten und auch der Rest sehnt sich nach dem Tag, an dem wir fertig sein werden. Noch gilt es aber, die verbleibenden Verdejo-Parzellen zu lesesn.

25. September 2007

Die Lese kommt zügig voran. Freudlicherweise verschiebt der Wettermann die Regenfälle immer wieder um ein bis zwei Tage. So können wir weiter ohne Probleme lesen. Allerdings haben wir jetzt begonnen, zwei Schichten zu fahren. Eine ist die normale, die Handlese der Trauben, die wir für unsere Weine brauchen. Die andere ist die mit der Maschine, die nachts die Trauben vom Acker holt. Diese sind ausschließlich für Abfüllungen bestimmt, die wir für andere Bodegas vornehmen.

24. September 2007

Noch immer hält das Wetter, auch wenn die Durchschnittstemperaturen ganz langsam den Sinkflug starten. Die Nachricht des Tages ist, dass die Großen der Szene, allen voran Agrícola Castellana, die Ernte unterbrochen haben. In den meisten Anlagen sind die Trauben einfach nicht reif. Unter elf Grad in La Seca und nicht über neun Grad in der Provinz Segovia. Kein Wunder, dass die Schnecken still stehen. Auf unsere Lese hat dies keinen Einfluss, es geht mit Volldampf weiter. Camino La Peña ist gelesen, der zweite wichtige Rotwein somit im Haus. Trauben dieser Farbe werden wir nur noch für den Finca La Perdiz lesen, was aber noch ein wenig dauert. Und einen sechs Hektar großen Weinberg gibt es noch, gegenüber von La Perdiz. Da diese Trauben respektive der daraus gewonnene Wein aber weiterverkauft wird, liest hier die Maschine. Nun ist Putzen angesagt. Die Wechsel von Rot nach Weiß sind diesbezüglich immer besonders anstrengend.

23. September 2007

Flotter Wechsel von weiß zu rot. Finca Camino La Peña ist an der Reihe, eines der Schwergewichte unserer Parzellen. Über vier Hektar wollen abgeerntet werden. Die Lese startet bei wolkenverhangenem Himmel und beschaulichen 11° Außentemperatur. Zwei Ladungen am Morgen, eine am Nachmittag. Etwa zwei Drittel konnten gelesen werden. Die Truppe arbeitet gut. Am Montag wird der Rest dieses Weinberges hereingeholt.

22. September 2007

Heute ist der erste Verdejo-Tag. Und gleich geht es an die beiden Top-Lagen Buenavista und El Alto. Buenavista war schon am Morgen dran. Nach gut drei Stunden hatte die Crew die 650 Stöcke abgeerntet. Die Menge wird wohl für das 500-Liter-Barrique, das wir dieses Jahr erstmals nutzen, ausreichen. Das zweite für diesen Weinberg vorgesehen Fass mit 300 Litern Kapazität können wir getrost für einen anderen Wein nehmen, denn 800 Liter Most werden wir aus dieser Parzelle sicher nicht gewinnen können. Die Kontrollwaage übermittelt so etwa eine Tonne Gewicht, woraus etwa 600 Liter Most werden. Finca El Alto ist danach dran. Eigentlich waren für diese Parzelle der restliche Samstag und der Sonntag vormittag vorgesehen. In Ermangelung von Trauben konnte die Lese allerdings am Samstag gegen 19:00 Uhr beendet werden. Der Wein dieser Parzelle wird die 13% Vol. sicher überschreiten, an die 14 aber nicht herankommen. Das, was nach einem kalten Sommer geblieben ist, ist von außerordentlicher Qualität. Einen Teil der Trauben verwenden wir für den Terroir-Wein Finca El Alto, die restliche Menge kommt zu dem Buenavista-Rest und landet letztendlich im Viña Clavidor Verdejo. Morgen, am Sonntag, beginnen wir mit der Lese der zweiten  Tinta-Fina-Parzelle, Camino La Peña. Vidal ist schon leicht nervös, da sich der potentielle Alkohol stramm der 15er-Grenze nähert und die Schalen allmählich weich werden. Dieser Weinberg ist zwar etwas kleiner als Las Sernas, wo wir am Mittwoch gelesen haben. Allerdings ist diese Parzelle nicht hagelgeschädigt, so dass wir da sicher zwei volle Tage zu tun haben werden.

21. September 2007

Ein Blick zum Himmel sagt, dass die Wolken beginnen, sich zu großen, fetten Gebinden zu vereinen. Das sieht nicht gut aus. Der Vormittag bringt noch schönes Wetter, warm und trocken. Nachdem wir bis zum Mittag bereits zwei Ladungen Viura in der Boodega haben, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Zwischendurch kommt ein Laster, dem die Hebebühne fehlt. Als ob sonst nichts zu tun sei, mussten wir auch noch eine Palette Kiste für Kiste in den Laster bringen! Nachmittags beginnt es in Medina del Campo heftig zu regnen. La Seca macht allerdings mal wieder seinem Namen alle Ehre und so können wir auch den dritten und letzten Teil von El Tomillar ohne Probleme in die Hütte bringen. Wenn das Wetter mitspielt, geht es moorgen mit Finca Varrastrojuelos oder einer der Verdejo-Parzellen weiter.

20. September 2007

Der erste Großkampftag beginnt bei herrlichem Herbstwetter. Noch hält das Hoch die Wolken auf dem Atlantik. Der Consejo meldet unterdessen, dass bislang nur wenig gelesen wurde, die Trauuben der Bewässerungsanlagen werden nicht reif, sondern nur dick. Selber schuld! Heute beginnt unsere Viura-Lese. Glücklicherweise ist das Stamm-Team wieder da, so dass es keinerlei Probleme mit den Erntehelfern mehr gibt. Bei den relativ niedrigen Temperaturen können wir sogar am Nachmittag lesen. Die ersten Analysewerte zeigen ein sehr gutes Mostgewicht (potentielle 13% Vol.) bei durchaus ansprechenden Säurewerten. Hooffentlich hält das Wetter, damit wir morgen  den zweiten Teil gut in die Bodega bringen können.

19. September 2007

Wie immer, so scheint auch in diesem Jahr das Thema Erntehelfer und deren Arbeitsmoral ein Dauerbrenner zu werden. Heut gab es schon einmal den ersten Ärger, dieses Team kommt nicht mehr; morgen kommen andere. An der Ernte an sich änderte dies aber nichts. Finca Las Sernas wurde abgeerntet. Gut, das war jetzt auch nicht die große Kunst, da dort ohnehin nicht viele Trauben hingen. Zuckereinlagerung satt - die 14% Vol. dürften wohl wieder geknackt sein. Das Lesegut war supergesund, der Schauer letzte Woche hat die Schalen nochmal gewaschen. Inzwischen sind die Trauben in den beiden Tanks und maischen bei etwa 10° Celsius vor sich hin. Das Wetter scheint auch zu halten, nennenswerte Wolken sind nicht  in Sicht. Morgen beginnt der erste Großkampftag: Tomillar, die Viura-Anlage mit 4.000 Stöcken ist angesagt, der größte Weinberg, der zur Handlese ansteht. Wenn alles gut geht, ist er in zwei Tagen abgeerntet.

18. September 2007

Genau um fünf Uhr begann die Traubenlese in unserer Bodega. Der Sauvignon Blanc, traditionell der erste Wein der Lese, wurde eingebracht. Nachdem die Trauben in den letzten Tagen noch einen ordentlichen Reifeschub erhalten haben, war es nun genug. Ein wenig mehr Zucker als im vergangenen Jahr, etwas weniger Säure, aber noch ausreichend, um bei der Malo des Finca El Jardín kein Problem zu haben. Die Menge ist etwas knapper ausgefallen als im Vorjahr, aber deutlich mehr als im Jahr 2005. Morgen ist Rot angesagt. Die im Fernsehen haben für die Region gelb angesagt, zumindest bis zum Ende der Woche. Dazu steigende Tagestemperaturen (gut) und steigende Nachttemperaturen (schlecht).

17. September 2007

Grau und bedrohlich schieben sich die Wolken gegenseitig am Himmel herum. In den angrenzenden Dörfern hat es teilweise wie aus Eimern geschüttet. La Seca, wie der Name schon sagt,.... Heute nacht geht es los!

16. September 2007

Strategiebesprechung in der Bodega. Die Kontrakte mit den Erntehelfern werden geschlossen. Dieses Jahr haben wir Glück: da die Kartoffelernte bereits beendet ist, können wir auf das Team zurückgreifen, das auch übers Jahr für uns arbeitet. Nach dem aktuellen Stand der Dinge wird die Reihenfolge sein: Sauvignon Blanc - Tinta Fina (Teil) - Viura - Verdejo Kopfschnitt - Verdejo Drahtrahmen - Rotwein (zweiter Teil). Insbesondere in der Finca Las Sernas sind die Trauben bereits sehr reif. Daher werden wir diese Rotweinlage am Anfang lesen.