Der Sommer ist in Kastilien stets eine heiße Angelegenheit. So
auch in diesem Jahr. Insbesondere im Juli kletterte das Thermometer auf
weit mehr als 40° C. Durch den starken Rückgang spät
nachts sowie einem moderaten Anstieg am Vormittag verbleibt der Rebe
ausreichen Zeit, sich zu erholen. Das Ergebnis sind dickschalige Beeren
und wenig Fruchtfleisch. Manche unserer Nachbarn können leider
wieder einmal nicht genug bekommen. Es wurde bewässert bis nichts
mehr geht. Die gerechte Strafe erhielten diese freundlichen
Zeitgenossen Mitte August, als eine Woche mit kühlen Temperaturen
auch einiges an Regen mit sich brachte. Für uns eine wilkommene
Sache, soorgt dieser Niederschlag doch für eine leichte
Reifeverzögerung. Die Juligewitter donnerten in diesem Jahr auf
Serrada, Pozaldéz und Villaverde nieder, La Seca blieb - von
einem kleinen Gewitterchen abgesehen - verschont.
Ende Juli begannen wir mit der grünen Lese. Hierbei entscheidet
der richtige Zeitpunkt über Wohl und Wehe: zu frühes
abschneiden gibt der Pflanze Gelegenheit,
verstärkt in die noch vorhandenen Trauben zu investieren, eine zu
späte grüne Lese bringt nichts. Am 10. August war die
grüne Lese abgeschlossen.

Einen leichte Schrecken versetzten uns die Analysen, die wir Ende
August anfertigten. Die Hitzewelle, welche seit dem 26. August
über Altkastilien zu ruhen gesenkt, hat den Reifeprozess
dramatisch beschleunigt. Glücklicherweise ist die physioologische
Reife der Trauben auch bereits weit fortgeschritten, sodass wir nicht
befürchten müssen, zur Vermeidung eines zu hohen
Zuckergehaltes unreife Trauben lesen zu müssen. Nach dem Sauvignon
Blanc, der traditionell als erster gelesen wird, werden wir wohl schon
in der ersten Septemberwoche mit der Viura beginnen. Verdejo und die
Rotweine haben noch ein wenig Zeit. Es deutet aber vieles darauf hin,
dass dies eine eher kurze, dafür aber latent hektische Lese wird.

In der Bodega wurden inzwischen die Abfüllungen für
andere Kellereien abgeschlossen. Auch unsere eigenen Weißweine
sind, bis auf einen kleinen Rest Verdejo und Cepas Viejas, in trockenen
Flaschen. Viel Freude bereitete die Abfüllung das Sauvignon 'sur
lie', von dem es genau 1000 Flaschen geben wird. Die lange Reife auf
der Feinhefe hat den Wein samtig und geschmeidig werden lassen. Nun
darf er noch drei Monate im Flaschenkeller ruhen, ehe er auf den Markt
gelangt.
Die Vorbereitungen für die Ernte sind auch in der Bodega in
vollem Gange: Pressen und Filter stehen bereit, die Erntekisten sind
herausgekramt und gereinigt, die Schnecke hat ein neues Zuhause.
Ab dem Tag der ersten Lese veröffentlichen wir ein
Lesetagebuch, das hier unter "Ernte 2006" zu finden ist.